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Minimalismus

Vor ein paar Tagen fragte mich eine Freundin, ob ich manchmal Lidschatten benutzen würde. „Ja, ab und zu.“, sagte ich. Sie fragte daraufhin, ob ich eine Lidschattenpalette von ihr haben wollen würde, da sie diese nicht mehr bräuchte. Sie würde die Palette eh nie benutzen. Die Palette war nicht so mein Fall und auch die Marke sagte mir nichts, doch konnte ich in dem Moment nicht Nein sagen. Schließlich wollte mir die Freundin etwas schenken und wie sagt man so schön? Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Die Palette wanderte also in meinen Besitz über. Berührt habe ich sie seitdem nicht.
Vielleicht ist dem ein oder anderen hier die YouTuberin/Bloggerin Jenny Mustard ein Begriff. Die besagte Freundin sendete mir erst vor ein paar Tagen eines ihrer Videos über die Zubereitung von Tofu und plötzlich machte alles Sinn in meinem Kopf. Die Freundin ist auf den Minimalismus-Zug aufgesprungen – denn das Hauptthema, um das es in Jenny Mustards Videos geht, ist Minimalismus. Möglichst wenige Produkte, kein Kitsch, alles muss zweckmäßig sein, aber dennoch Stil haben. An sich keine schlechte Sache, geht sie doch gegen unser wegwerferisches Konsumverhalten an. Es scheint ein ökologischerer und organisierter Lebensstil zu sein. Und dennoch ist er geprägt vom Wegwerfen bzw. Entsorgen. Mir wurde diese Lidschattenpalette von der Freundin aufgedrückt, die bei mir vermutlich auch früher oder später im Müll landen wird. Doch die Verantwortung dafür liegt nun bei mir. Ganz so ökologisch ist das jetzt aber auch nicht. Ordentlicher ist das Leben dadurch dennoch, doch wo bleibt die Gemütlichkeit? Wo bleiben die Erinnerungen? Wie richtet man sich zu Hause ein, wenn alte Fotos, Souvenirs, selbstgebastelte Sachen und Poster an der Wand keinen Zweck mehr erfüllen? Für mich wirkt dieser Trend des Minimalismus irgendwie kühl. Und auch wenn ich The Life-Changing Magic of Tidying Up nie gelesen habe, bin ich trotzdem überzeugt, dass dies nicht die richtige Art zu leben für mich ist. Ich bin vermutlich das genaue Gegenteil eines Minimalisten. Ich bin eine chaotische Person, die vermutlich viel zu sehr an Dingen festhält, die unwichtig sind, und die vermutlich nie einen passenden Platz für jeden Gegenstand in ihrem Zimmer finden wird und somit nie auf- und meistens nur umräumt. Eine Brise Minimalismus würde mir sicherlich gut tun, aber im Moment ist eine Brise davon vermutlich auch genug.

4 Antworten auf „Minimalismus“

Liebe Sophie,
schöner Text. Minimalismus sollte wirklich nicht nur als Trend gelebt werden, sondern zu der eigenen Person passen. Wenn einem das Zimmer am Ende kühl vorkommt, war es wohl nicht die richtige Entscheidung. Also halt an deinen Souveniers, Postern und alten Bildern fest, denn sie scheinen ein Teil von dir zu sein ;)
Liebe Grüße
Intrinsistin

Gefällt 1 Person

Ich habe immer noch ganz viele Fotos an der Wand und eine grosse Kiste mit Erinnerung.Das bleibt auch. Ich glaube es geht einfach darum, dass man möglichst wenig konsumiert,erstmal auf was man schon hat usw

Gefällt 1 Person

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