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36 Stunden Moskau

Haben wir auch wirklich alles? Pass, Tickets, Portmonee? Nicht allzu schwer bepackt stapfen wir spät abends los. Abenteuer. Etwas nervös fahren wir mit der Metro zum Hauptbahnhof. Wissen nicht, was uns erwartet. Unser Nachtzug, der uns von Sankt Petersburg nach Moskau bringen soll, geht um 00:40 und bereitet uns ein wenig Angst. Angst vor zu wenig Schlaf und zu wenig Energie für die kommenden zwei Tage.

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Im Zug schläft es sich erstaunlich gut und fast zehn Stunden vergehen, bis wir in Moskau ankommen. Von dort an bleiben uns 36 Stunden. 36 Stunden, um eine unbekannte Stadt zu erkunden. Ganz unbekannt ist die Stadt uns vielleicht nicht, aber zumindest waren wir noch nie dort. Unser Hostel befindet sich 10-15 Minuten von der Metro-Station Kitai Gorod entfernt, die sich wortwörtlich zu China Town übersetzen lässt, aber keinen chinesischen Stadtteil beherbergt. Im Treppenhaus begrüßt uns ein Mann mit kurzen Hosen, der gerade eine Zigarette raucht. Er leitet das Hostel, stellt sich heraus, und öffnet uns die Tür. Es gäbe zur Zeit kein fließend Wasser, erzählt er uns. Hoffentlich ist die Toilette deshalb so schmutzig. Wir stellen nur kurz ein paar wertlose Sachen ab und machen uns auf den Weg in die Stadt. Ein wenig dubios wirkt das Hostel, obwohl die Bewertungen im Internet gut waren. Aber das soll uns jetzt nicht stören. Auf dem Weg in die Stadt sehen wir bald schon die Fassade des Kaufhauses GUM und befinden uns plötzlich auch schon mitten auf dem Roten Platz.

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Es ist ziemlich kalt und windig, der Himmel ist bewölkt. Nicht ideal, aber wir müssen unbedingt Fotos vor der Basilius-Kathedrale machen, bevor wir weiterlaufen. Es ist schon Mittag und wir haben uns viel vorgenommen. Das Mausoleum verschieben wir auf den nächsten Tag, als wir die lange Schlange sehen. Stattdessen gehen wir direkt zu einem der Restaurants, die wir uns herausgesucht haben. Bei Лепим и варим (dt. modellieren und kochen) bekommt man Pelmeni in verschiedenen Variationen, in einer hippen Atmosphäre. Zu unseren Pelmeni trinken wir Mors, Preiselbeersaft. Gut gestärkt begeben wir uns auf den Weg zur Metro, mit der wir zum Kosmonautenmuseum fahren. Als Austauschstudenten in Russland bekommen wir dort sogar kostenlosen Eintritt. Schön.

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Ein bisschen ermüdet verlassen wir das Museum, um den Ismailowoer Markt zu besuchen. Etwa 20 Minuten vor Ende der öffentlichen Geschäftszeit des Marktes verlassen wir die Metro. Gegen unsere Müdigkeit müssen wir uns trotzdem kurz noch bei Кофе Хаус (Coffee House) mit Kaffee eindecken. Dann eilen wir zum Markt. Ein Mann setzt uns Schapkas auf und will sie uns anfangs für 2500₽ verkaufen, ruft uns aber auf unser Desinteresse immer niedrigere Zahlen zu. 500₽ möchte er zum Schluss, als wir die Mützen absetzen und gehen. Zu spät merke ich, dass ich mit der Mütze auch mein Stirnband zurücklasse, erst draußen im Wind spüre ich den Unterschied. Wir waren nur wenige Minuten auf dem Markt, auf dem die Standbesitzer längst ihre Sachen zusammenpacken. Zurück zur Metro. Zurück zum Roten Platz. Es ist schon dunkel und alles ist wunderschön beleuchtet. Wir spazieren noch kurz durch das Einkaufszentrum GUM und essen dort ein Eis. Zurück zum Hostel. Es gibt mittlerweile wieder Wasser, am meisten freue ich mich aber über das WLAN.

Der nächste Tag beginnt, wir machen uns fertig und packen unsere paar Sachen in unsere Rucksäcke, wollen auschecken. Ein kurzes Bescheidsagen reicht und ich bin irgendwie froh, diesen Ort zu verlassen, kann aber nicht genau sagen, wieso. Die Gasse, die zu unserer Unterkunft führt, beherbergt auch ein kleines, hippes Café mit einem Elch im Logo, also ziemlich hip. Ich bestelle einen Americano mit Zimt, der mich auf dem Weg zum Roten Platz warmhalten soll. Es ist gar nicht so kalt, aber der Wind macht das viele Herumlaufen unangenehm. Das erste, was wir heute tun, ist, zum Lenin-Mausoleum zu gehen. Die Schlange ist lang und wir frieren, doch dieses Erlebnis wollen wir uns nicht entgehen lassen. Ein wenig surreal ist es, diese historische Persönlichkeit da wie eine Puppe liegen zu sehen.

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Bis wir endlich das Ticketbüro des Kreml gefunden und unsere Sachen abgegeben haben, vergeht bestimmt fast so viel Zeit, wie wir letztendlich hinter seinen Mauern verbringen. Wir wandern von Kathedrale zu beheizter Kathedrale, besuchen die Ausstellung über Mode und Schmuck des frühen 20. Jahrhunderts. Anschließend bestehe ich darauf, dass wir zum Gorki-Park fahren und bereue es nicht. Wir können im Oktober nicht viel tun in dem Park, aber er flößt unserem Wochenende einen Hauch von Natur ein. Zwei Katzen begegnen uns, Enten schwimmen auf dem See und der Wind weht gefärbte Blätter durch den grünen, aber kahler werdenden Park. Es ist wunderbar bunt und idyllisch.

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Unsere Reise runden mir mit einem Essen bei dem koreanischen Fusion-Restaurant Elements by Edward Kwon ab. Meine Reisekumpanin ist Südkoreanerin und hat es von einer Freundin empfohlen bekommen – zu Recht. Da wir noch etwas Zeit zu füllen haben, beschließen wir nicht direkt zum Bahnhof, sondern noch zu einer Filiale der Moskauer Café-Kette Double B zu fahren. Das Koffein tut gut, hätte man sich aber besser bei Starbucks gegönnt. Wir nehmen nun ein letztes Mal die Moskauer Metro und fahren zum Bahnhof. Die Reise endet, wie sie begonnen hat, mit dem Nachtzug.

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