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Wie Pokémon GO mein Leben verändert

Als mein Freund mir am 8. Juli versucht, Pokémon GO auf dem Handy zu installieren, ahne ich nicht, wie ich diesem Spiel noch verfallen werde. In den letzten Tagen habe ich so viel erlebt, so viele Emotionen gespürt und das alles verdanke ich dieser App.

Das war am Freitag, doch mein Abenteuer beginnt so richtig erst am Samstagabend. Mir steht eine einstündige S-Bahn-Fahrt bevor und ich nehme mir vor, endlich die App zu nutzen und meine ersten Pokémon zu fangen. Es stellt sich heraus, dass so eine Bahnfahrt ziemlich ideal ist, um dies zu tun. An den Bahnhöfen begegne ich einigen PokéStops – spezielle Markierungen von Orten, die man in der App sehen kann – , auch wenn ich in dem Moment noch nicht weiß, dass man an diesen Stops Items sammeln kann.

Am Sonntag sind wir viel mit dem Auto unterwegs und die Arbeit an meiner Pokémon-Sammlung beginnt nun ernsthaft. Ich bin mit meinem Freund und einer Freundin unterwegs, die die App beide nicht haben und doch selbst ein wenig mitfiebern, wenn ich im Auto Pokébälle werfe. Wir fahren zum Baden an einen Fluss, denn es sind über 30°C und auf dem Weg begegnen wir unzähligen PokéStops und Pokémon. Abends fange ich sogar ein Kicklee auf einer Wiese, zu der ich extra hingelaufen bin. Dies ist der Moment, als ich das erste mal wegen Pokémon GO das Haus verlassen habe.

Am Montag werde ich Mitglied einer WhatsApp-Gruppe von Leuten, die Pokémon GO in meiner Stadt spielen. Noch am selben Tag beschließe ich, zu dem geplanten Treffen in einem Park zu gehen, in dem es von Pikachus wimmeln soll. Ich bin hochmotiviert und stoße auf Menschen, die größtenteils in ihren Mittzwanzigern und mit mehreren Powerbanks bewaffnet den ganzen Tag unterwegs sind, um Pokémon zu jagen. Sie scheuen nicht einmal davor, Geld auszugeben, um Items zu kaufen, die ihnen bei der Pokémonjagd helfen sollen. Gute zwei Stunden strolche ich zusammen mit ihnen durch den Park, doch verlasse das Treffen mit einem ernüchtertem Gefühl. Irgendwie beängstigen mich diese Menschen.

Als am Montagabend jemand ein Lockmodul – ein Item, welches Pokémon zu einem ausgewählten PokéStop lockt und für alle sichtbar ist – beim zweitnächsten PokéStop von mir aus setzt, beschließe ich noch einmal loszuziehen. Doch als ich gerade aufbrechen will, bemerke ich, dass es Probleme mit dem Server gibt. Zu viele Menschen. Nach einer Weile jedoch komme ich wieder in die App herein und mache mich auf den Weg, um die nächstgelegene PokéArena mit einem meiner Pokémon zu besetzen und endlich meinen allerersten Kampf auszutragen. Doch wie es das Schicksal will, ist die Verbindung unterwegs so miserabel, was wohl immer noch mit dem Server zusammenhängt, dass ich nicht einmal die Items der PokéStops mitnehmen kann. Nach einem kleinen Spaziergang komme ich wieder zu Hause an, ohne einen einzigen Erfolg verrechnen zu können. Ich bin enttäuscht, doch habe ich wenigstens etwas frische Luft geschnappt.

Dienstag soll nun der Tag meines ersten Arenakampfes sein und so ist es auch. Ich bin den ganzen Tag mehr oder weniger zu Hause, fange viele Pokémon und steige zu Level 8 und später zu Level 9 auf. Ich habe definitiv die volle Dröhnung Pokémon abbekommen und bin voll im Pokémon-GO-Fieber. Im Moment ist alles noch so neu und aufregend, doch bin ich mir sicher, dass dies nachlassen wird. Am Abend bestelle ich mir trotzdem noch schnell eine Powerbank. Die nächsten Abenteuer können kommen.

Pokémon ist am Puls der Zeit und hat mit Pokémon GO einen echten Durchbruch geschafft. Schon vor dem offiziellen Release gibt es massenhaft Spieler, die dem Spiel genauso verfallen sind, wie ich. Die Nerds kriechen aus ihren Löchern und gehen raus. Ich mache mehrere Spaziergänge am Tag und begegne einigen Leuten, die aus dem selben Grund draußen sind. Die Menschen schimpfen immer, dass unsere Gesellschaft mit den Augen am Smartphone klebt und immer unsozialer wird. Doch Pokémon GO zeigt einen neuen Trend auf. Fremde Menschen kommen zusammen und spielen. Ich denke, in Zukunft wird es viele Apps dieser Art geben, die Menschen dazu bewegen, das Haus zu verlassen und die eigene Stadt zu erkunden.

In der App fehlen jegliche Kommunikationsmöglichkeiten. Man kann anderen Spielern keine Nachrichten senden, mann kann nicht ihre Profile aufrufen und man kann auch nicht aktiv gegeneinander kämpfen. Und doch knüpft man mit Pokémon GO neue und reale Kontakte, ist es ein Mittel zum Zweck.

Allerdings bringt die App auch ein paar Gefahren mit sich. Meine spätabendlichen Spaziergänge haben mich schon etwas nachdenklich gestimmt in Bezug auf Kriminalität. Ich als junge Frau sollte nicht meine Vorsicht verlieren, denn meine virtuellen Pokémon schützen mich nicht vor einem Überfall. Ob und inwiefern Menschen durch die App Standortdaten von mir bekommen können, ist mir auch nicht klar. Passt gut auf euch auf!

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